Hundert Stufen. Ein Schritt.
Es sind oft nicht die großen Erschütterungen, die uns verändern und in unserem Leben neue Weichen stellen.
Manchmal sind es kleine Stolpersteine, ein Moment des Innehaltens – oder eine Stimme in uns, die eine andere Wahrheit spricht.
Dieser Sommermoment hat mir gezeigt, welche Kraft in einer Entscheidung liegt – und wie tief ein scheinbar alltäglicher Weg in unser Inneres führen kann.
Es war einer dieser Sommertage, an denen die Hitze flirrt und das Gehen fast zu viel ist. Ich war auf dem Heimweg – beladen mit Einkäufen, den Rucksack auf dem Rücken, und meine kleine Hündin, Hada, trug ich vorne. Der Asphalt war viel zu heiß für ihre Pfötchen.
Etwa hundert Stufen führen von der Straße hinunter zu mir nach Hause. Und dann: Ein falscher Tritt, ein Umknicken, ein Plumps.
Ich landete auf meinem Po, mitten auf den heißen Stufen – ausgebremst von einem einzigen unachtsamen Moment.
Hada war unversehrt, der Einkauf unbeschadet. Nur in meinem Fußgelenk pochte ein dumpfer Schmerz.
Es war nichts Dramatisches. Und doch – eine schmerzende Erinnerung daran, wie schnell etwas kippen kann.
Ich humpelte die restlichen Stufen zum Haus hinunter. Hada ließ ich die letzten Meter selbst laufen. Der Fuß schwoll an. Ich probierte verschiedene Schuhe aus, ging ein paar Schritte, veränderte meine Haltung beim Gehen. Am besten ging’s barfuß.
Nachts wurde es ruhiger im Fuß und die Schmerzen erträglicher. Am nächsten Tag entschloss ich mich, mit Hada für eine kleine Gassirunde durch unser kleines Tal zu gehen. Na ja, es war eher ein Gehen mit Humpeleinlagen.
Dieses Mal musste ich auf dem Rückweg die Stufen nach oben steigen.
Da stand ich nun.
Unten, am Fuß der Stufen.
Mein Fuß schmerzte. Der Körper zögerte. Es meldeten sich zwei Stimmen in mir. Zwei Wege, zwei verschiedene Welten, die sich auftaten.
Die eine Stimme jammerte: „Warum gerade jetzt? Warum ich? Diese blöden Stufen! Wie soll ich das jetzt schaffen? Und überhaupt, wie soll das erst im Alter werden?“
Und dann war da noch eine Stimme. Leise. Klar.
„Dies ist mein Heilweg!“
Keine Diskussion. Kein Mitleid. Nur diese eine Wahrheit.
Ein Bild entstand in mir – wie ich diesen Weg nicht nur hochlaufe, sondern bewusst gehe.
Ein Weg, der heilt. Schritt für Schritt. Das fühlte sich im Gegensatz zu der ersten Stimme richtig gut an.
Ich wählte diese zweite Stimme, stimmte mich auf sie ein und ließ mich von ihr führen. Langsam ging ich die Stufen hinauf, fühlte mich getragen von etwas, das größer war als mein Schmerz. Größer auch als diese jammernde, schimpfende Stimme.
Oben angekommen war er weg, der Schmerz. Einfach fort. Ich konnte es kaum fassen. Es war wie ein Wunder.
Was war geschehen?
Ich hatte eine Entscheidung getroffen – für das Vertrauen, für die Klarheit, für den Weg, der selbst im Schmerz Weisheit in sich trägt. Für eine innere Führung, die leiser, aber kraftvoller spricht als das Jammern und Schimpfen.
Seitdem weiß ich: „Energie folgt der Aufmerksamkeit“ ist kein bloßes Konzept – es wirkt spürbar im eigenen Erleben und ist absolut alltagstauglich.
Manchmal liegt die Heilung in der Entscheidung, wie man etwas erleben will – und manchmal erkennt man vielleicht die innere Führung erst, wenn man mitten im Schmerz stehen bleibt und hört, was die zweite Stimme sagt.
Vielleicht kennst auch du solche Momente – wenn der Schmerz dich quält, die Zweifel laut sind, und doch eine leise, zweite Stimme etwas anderes sagt.
Was wäre, wenn genau dieser Weg, der dich gerade herausfordert, dein Heilweg ist?
Vielleicht braucht es nur einen Schritt. Oder hundert.
Und die klare Entscheidung, welcher Stimme du folgst – und worauf du deine Aufmerksamkeit richtest, um dir ein kostbares inneres Erleben zu schenken.
Dass ich diese beiden Stimmen und das damit verbundene innere Erleben überhaupt wahrnehmen konnte, verdanke ich dem großartigen Wirken von Dr. Gunther Schmidt!











